Die Griechische Landschildkröte ist die am häufigsten gehaltene Landschildkröte in Deutschland und wird im Zoofachhandel entsprechend oft nachgefragt. Gerade bei dieser Art entscheidet die Beratung vor dem Kauf über eine Haltung, die Jahrzehnte dauern kann. Denn Testudo hermanni boettgeri ist ein Freilandtier und gehört dauerhaft in ein Freigehege, nicht ins Terrarium. Hier finden Sie die wichtigsten Haltungsanforderungen kompakt zusammengefasst.
Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
- Kein Terrarientier: Dauerhafte Haltung nur im Freigehege mit natürlichem Sonnenlicht, ein Terrarium dient lediglich als Übergangslösung
- Streng geschützt nach Anhang A der EU-Artenschutzverordnung und meldepflichtig bei der zuständigen Behörde, jedes Tier wird mit eigener CITES-Bescheinigung geliefert
- Kann in menschlicher Obhut 80 Jahre und älter werden
Artvorstellung
Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) ist eine von drei Landschildkrötenarten der Gattung Testudo im europäischen Mittelmeerraum. Unterschieden werden zwei Unterarten: die westliche Nominatform Testudo hermanni hermanni und die östliche Testudo hermanni boettgeri. Das Verbreitungsgebiet von T. h. boettgeri reicht von Kroatien über Albanien, Nordmazedonien, Griechenland, Bulgarien und Rumänien bis in den europäischen Teil der Türkei.
Die Tiere besiedeln lichte Wälder, Strauch- und Heidelandschaften wie Macchia und Garrigue sowie Kulturflächen bis in Höhen von etwa 1.500 Metern. Sie sind tagaktiv und ernähren sich überwiegend pflanzlich.
Männchen erreichen eine Panzerlänge von etwa 20 cm, Weibchen werden mit bis zu 26 cm größer und schwerer. Typisch für die Art ist ein Hornnagel am Schwanzende, den beide Geschlechter tragen. T. h. boettgeri zeigt einen stroh- bis olivgelben Panzer mit schwarzer Fleckung, die weniger kontrastreich ausfällt als bei der westlichen Unterart. Der Bauchpanzer ist meist hornfarben mit einzelnen dunklen Flecken entlang der Mittelnaht. Die äußeren Geschlechtsmerkmale bilden sich erst im Alter von etwa vier bis sechs Jahren aus, Schlüpflinge lassen sich nicht nach Geschlecht unterscheiden.
Landschildkröten sind eine Anschaffung auf Lebenszeit: In menschlicher Obhut kann die Griechische Landschildkröte 80 Jahre und älter werden.
Die Art ist in Anhang A der EU-Artenschutzverordnung gelistet und gilt in Deutschland als streng geschützt. Auch Nachzuchten unterliegen der Meldepflicht bei der zuständigen Behörde. Die Einzeltiere werden über eine Fotodokumentation von Rücken- und Bauchpanzer identifiziert. Das Tropenparadies liefert jedes Tier mit eigener CITES-Bescheinigung.
Freigehege und Übergangsterrarium
Eine dauerhafte Terrarienhaltung ist für Testudo hermanni boettgeri nicht artgerecht. Die Art benötigt ein sonniges, gut strukturiertes Freigehege mit Schatten- und Versteckplätzen sowie einem trockenen, geschützten Unterschlupf. Natürliche Beleuchtung ist ideal. Die UV-B-Strahlung ist für die Bildung von Vitamin D3 und damit für die Kalziumeinlagerung in Panzer und Knochen unverzichtbar.
Als Richtwerte gelten für Jungtiere im ersten und zweiten Jahr 2 bis 4 m², für zwei adulte Tiere mindestens 20 m². Für jedes weitere Tier empfiehlt sich eine Erweiterung um 5 bis 10 m². Landschildkröten sind geschickte Kletterer, die Umrandung muss daher ausbruchsicher sein. Ebenso wichtig ist der Schutz vor Fressfeinden wie Mardern, Waschbären, Ratten, Greifvögeln oder Hunden, zum Beispiel durch ein Netz über dem Gehege.
Da das mitteleuropäische Klima kühler und feuchter ist als das mediterrane, gehört ein Frühbeet oder Gewächshaus zur Grundausstattung. Es bietet an kühlen und regnerischen Tagen sowie im Frühjahr und Herbst einen warmen, trockenen Rückzugsort und verlängert die Aktivitätsphase der Tiere.
Gehalten wird die Art in der Gruppe. In gemischten Gruppen sollten auf ein Männchen mindestens drei Weibchen kommen. Männchen sind ausgesprochen paarungsfreudig, bei einem ungünstigen Geschlechterverhältnis kommen die Tiere nicht zur Ruhe, fressen weniger und können sich durch Bisse und Aufreiten verletzen. Reine Weibchengruppen sind bei ausreichender Gehegegröße problemlos. Verschiedene Arten oder Unterarten sollten nicht gemeinsam gehalten werden: Zum einen kommt es sonst zu Vermischungen, zum anderen können Krankheitserreger, die für eine Art harmlos sind, für eine andere gefährlich werden. Neuzugänge sollten nicht direkt zum vorhandenen Bestand gesetzt werden, empfohlen wird eine Quarantäne von mindestens einem Jahr.
Ein Terrarium kommt nur als vorübergehende Lösung in Betracht, etwa als Übergangs- oder Notfallunterkunft. Es benötigt einen Sonnenplatz mit 38 bis 40 °C unter einer UV-Wärmelampe, ein Versteck und ein Wasserbecken. Als Bodengrund eignet sich eine Mischung aus Kokosfasersubstrat und Gartenerde oder Schildkrötenerde: Sie ist trittfest und dennoch locker, speichert Feuchtigkeit und staubt nicht.
Klima und Beleuchtung
Als wechselwarme Tiere regulieren Griechische Landschildkröten ihre Körpertemperatur über den Wechsel zwischen sonnigen und schattigen Plätzen. Für die Verdauung ihrer faserreichen Nahrung benötigen sie täglich für einige Stunden Körpertemperaturen von etwa 25 bis 30 °C. Oberhalb von 40 °C geraten sie in Lebensgefahr. Schattenplätze und Rückzugsmöglichkeiten sind daher ebenso wichtig wie der Sonnenplatz.
Im Frühbeet haben sich Wärmestrahler mit Thermo-Zeitschaltuhr sowie automatische Fensteröffner bewährt. Eine zusätzliche UV-Lampe ist im Frühbeet in der Regel nicht notwendig, sofern die Tiere an sonnigen Tagen ausreichend Zeit im Freigehege verbringen.
Fester Bestandteil der Haltung ist die jährliche Winterstarre von etwa vier bis fünf Monaten, ungefähr von November bis März. Gesunde Tiere sollten sie in jedem Fall halten, ausgenommen sind lediglich kranke Tiere. Die Überwinterung erfolgt bei 4 bis 6 °C in leicht feuchtem Substrat, etwa Gartenerde mit Humus, abgedeckt mit Laub oder Moos. Bewährt hat sich ein separater Kühlschrank mit Temperaturüberwachung.
Die Temperatur darf 8 °C nicht übersteigen. Andernfalls kommt der Stoffwechsel in Gang, die Tiere zehren aus und es drohen schwere Leberstoffwechselstörungen. Unter 2 °C besteht Erfrierungsgefahr. Etwa zwei bis drei Monate vor der Winterstarre empfiehlt sich eine tierärztliche Kotuntersuchung auf Parasiten, damit ein Befall rechtzeitig behandelt werden kann.
Ernährung
In der Natur ernähren sich Griechische Landschildkröten von einer Vielzahl wild wachsender Pflanzen, überwiegend von deren Blättern. Daran orientiert sich die Ernährung in menschlicher Obhut: Hauptfutter sind rohfaserreiche Wildkräuter wie Löwenzahn, Breit- und Spitzwegerich, Klee, Vogelwicke, Vogelmiere, Taubnessel, Malve oder Gänsedistel. In einem ausreichend großen, naturnah angelegten Freigehege wächst ein Teil davon direkt im Gehege.
In Übergangszeiten, wenn draußen noch nichts oder nichts mehr wächst, können Salate wie Feldsalat, Römersalat, Endivie, Radicchio oder Rucola angeboten werden. Obst, Gemüse, tierische Produkte und kommerzielles Schildkrötenfutter sind höchstens gelegentlich geeignet. Ihr meist zu hoher Nährstoffgehalt kann zu schweren Stoffwechsel- und Knochenerkrankungen führen.
Für ein gesundes Panzerwachstum ist eine ausreichende Kalziumversorgung wichtig. Sepiaschale oder Algenkalk werden zur freien Aufnahme angeboten und nicht über das Futter gestreut, denn die Tiere nehmen den Kalk entsprechend ihrem Bedarf selbst auf. Die Sepiaschale nutzt zugleich die Hornschneiden ab und beugt so einem sogenannten Papageienschnabel vor. Frisches Trinkwasser muss täglich zur Verfügung stehen.
Fazit
Die Griechische Landschildkröte ist eine langlebige Art, deren artgerechte Haltung klare Voraussetzungen hat: ein ausreichend großes, ausbruchsicheres Freigehege mit Frühbeet oder Gewächshaus, eine Ernährung auf Wildkräuterbasis und eine kontrollierte Winterstarre. Zur Ausstattung gehören damit neben dem Gehege auch Frühbeet- und Wärmetechnik, eine geeignete Überwinterungsmöglichkeit sowie Sepiaschale oder Algenkalk zur Kalziumversorgung. Wer über diese Anforderungen von Anfang an informiert ist, schafft die Grundlage für eine Haltung über viele Jahrzehnte. Das Tropenparadies liefert die Tiere als Nachzuchten und vollständig dokumentiert, inklusive CITES-Bescheinigung je Tier.