Kaum eine Chamäleonart ist in der Terraristik so etabliert wie das Jemenchamäleon, Chamaeleo calyptratus. Bereits 1987 gelang die erste erfolgreiche Nachzucht, seither zählt die Art zu den bekanntesten und am häufigsten gehaltenen Chamäleons überhaupt. Der markante Kopfhelm und das ausgeprägte Farbspiel machen sie zu einem verlässlichen Blickfang in der Terraristik-Abteilung.
Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus)
- Markanter Kopfhelm (Casque), bei Männchen bis zu 8 cm hoch, bei Weibchen deutlich kleiner ausgeprägt
- Farbwechsel dient vor allem der Kommunikation und Stimmungsanzeige, nicht in erster Linie der Tarnung
- Erkennt stehendes Wasser nicht: Für eine artgerechte Haltung empfiehlt sich eine Tropftränke oder Beregnungsanlage
Herkunft und Verbreitung
Chamaeleo calyptratus stammt von der Arabischen Halbinsel, hauptsächlich aus dem südlichen Jemen und aus Saudi-Arabien, unter anderem aus der niederschlagsreichen Provinz Asir. Die natürlichen Lebensräume reichen von trockenen, vegetationsarmen Hochebenen bis zu tropisch-subtropischen Berghängen und feuchtem Küsten-Buschland. Diese Bandbreite an Herkunftshabitaten erklärt, warum die Art innerhalb gewisser Grenzen tolerant gegenüber unterschiedlichen Klimabedingungen im Terrarium ist.
Die Art unterliegt dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES, EU-Anhang B) und ist melde- und nachweispflichtig. Das Tropenparadies liefert grundsätzlich die vollständige Dokumentation mit.
Aussehen und Farbwechsel
Namensgebend ist der seitlich abgeplattete, helmartig wirkende Kopfaufsatz (Casque). Bei Männchen wird er bis zu 8 cm hoch, bei Weibchen fällt er deutlich kleiner aus. Männchen zeigen meist ein Grün mit drei, seltener vier bis fünf gelben, braun gerandeten Vertikalstreifen, dazu sind Farbtöne in Blau, Braun, Weiß, Schwarz, Gelb und Orange sowie zahlreiche Zwischentöne möglich. Weibchen sind meist blassgrün bis braun mit unregelmäßigen gelben Flecken gezeichnet.
Der Farbwechsel dient in erster Linie der Kommunikation und der Anzeige des Gemütszustands innerhalb der Art, nicht primär der Tarnung. Bei Bedrohung reagieren die Tiere mit typischen Drohgebärden: Körperabflachung, Aufblähen des Kehlsacks, weit geöffnetes Maul, Zischlaute und ein eingekrümmter Schwanz. Charakteristisch sind zudem die unabhängig voneinander beweglichen Augen mit nahezu 360-Grad-Sichtfeld sowie bei Männchen ein deutlicher Fersensporn, der bereits im Jungtieralter erkennbar ist.
Terrarium und Einrichtung
Für ein adultes Männchen sollten Sie ein Terrarium ab etwa 100 × 60 × 120 cm (L×B×H) einplanen, für Weibchen darf es etwas kleiner ausfallen. Wichtig ist eine gute Belüftung sowie ausreichend Höhe, da Chamaeleo calyptratus ein Baum- und Strauchbewohner ist. Die Einrichtung sollte reich an Kletterästen, dichter Bepflanzung und Rückzugsmöglichkeiten sein. Glasterrarien lassen sich von innen mit Kork verkleiden, um Spiegelungen zu vermeiden, denn das eigene Spiegelbild löst bei den Tieren Stress aus.
Klima und Beleuchtung
Im Sommer sollten tagsüber Temperaturen von 26 bis 28 °C herrschen, nachts absinkend auf 16 bis 20 °C. Ein Spotstrahler schafft eine lokale Wärmezone von bis zu 40 °C, in der sich das Tier gezielt aufwärmen kann. Für die kühlere Jahreszeit sollten Sie eine zwei- bis dreimonatige Ruhephase bei 18 bis 20 °C tagsüber und 12 bis 14 °C nachts einplanen, verbunden mit einer verkürzten Beleuchtungsdauer.
Die Luftfeuchtigkeit sollte bei etwa 60 bis 70 Prozent liegen, erreichbar durch regelmäßiges Besprühen und eine dichte Bepflanzung. UV-B-Beleuchtung ist für den Kalziumstoffwechsel unverzichtbar und sollte regelmäßig erneuert werden, da die UV-Leistung von Leuchtmitteln mit der Zeit nachlässt. Die Beleuchtungsdauer orientiert sich an der Jahreszeit: im Sommer etwa 12 bis 13 Stunden täglich, im Winter 10 bis 11 Stunden.
Ernährung
Chamaeleo calyptratus ist in erster Linie ein Kleintierfresser. Auf dem Speiseplan stehen Insekten wie Grillen, Heuschrecken, Schaben und Zophobas, die mit der klebrigen, blitzschnell ausgeschossenen Zunge erbeutet werden. Ergänzend nehmen die Tiere gelegentlich pflanzliche Kost auf, etwa sukzente Blätter wie die der Gattung Kalanchoe. Jungtiere haben aufgrund des schnellen Wachstums einen deutlich höheren Futterbedarf, adulte Tiere werden etwa alle zwei bis drei Tage gefüttert. Reichern Sie das Futter regelmäßig mit Vitamin D3 und Calcium an.
Chamäleons erkennen stehendes Wasser in der Regel nicht. Zur Flüssigkeitsaufnahme sind eine Tropftränke oder eine Beregnungsanlage notwendig, da die Tiere Wassertropfen von Blättern und Ästen ablecken.
Sozialverhalten und Haltung
Männchen sind ausgeprägte Einzelgänger und verteidigen ihr Revier gegen jedes andere Männchen. Diese Territorialität zeigt sich bereits bei vier Monate alten Jungtieren. Weibchen sind untereinander verträglicher und lassen sich in ausreichend geräumigen Terrarien gemeinsam halten. Einzelhaltung von Männchen ist Standard, eine Gruppenhaltung mehrerer Männchen im selben Terrarium führt zu dauerhaftem Stress und Verletzungen.
Fazit
Das Jemenchamäleon verbindet einen hohen Wiedererkennungswert mit einem ausgeprägten, gut beobachtbaren Verhaltensrepertoire. Bei artgerechter Klimasteuerung, ausreichend Luftfeuchtigkeit und regelmäßiger UV-B-Versorgung ist die Art im Terrarium gut zu pflegen und erreicht dort ein Alter von etwa 5 bis 7 Jahren. Als Nachzucht bieten Sie Ihren Kunden Tiere aus kontrollierter Aufzucht, unabhängig von den Schwankungen des Imports.